Als Reporterin unterwegs in der Grenzregion

Seit zwei Monaten ist für mich kaum eine Woche ohne Reise vergangen. Von Görlitz und Jelenia Góra über Bautzen, Karpacz und Zittau bis hin zu Szklarska Poręba war alles dabei. Was haben alle diese Städte gemeinsam? – Sie liegen im polnisch-sächsischen Grenzraum!

Dass ich so viel reise, ist kein Zufall: Ich absolviere ein viermonatiges Volontariat im Rahmen eines EU-Förderprogramms für diese Grenzregion rund um den südlichen Teil der deutsch-polnischen Grenze. Offiziell würde ich sagen, ich arbeite im „Gemeinsamen Sekretariat des Kooperationsprogramms INTERREG Polen-Sachsen 2014-2020 “. Das klingt etwas umständlich und die meisten können sich darunter wenig vorstellen. Um Interreg bekannter zu machen, gibt es ein neues Volunteering Programm, an dem ich teilnehme (dazu später mehr Details). Deswegen kann ich seit Oktober 2017 als Interreg Reporterin unterwegs sein.

Interreg – was genau heißt das?

Mit den Interreg-Programmen fördert die Europäische Union mit Geldern aus dem Fond für Regionale Entwicklung territoriale Zusammenarbeit. Das kann zum einen die grenzüberschreitende und bilaterale Kooperation, wie bei Interreg Polen-Sachsen, oder auch zum anderen die transnationale (multilaterale) Zusammenarbeit, wie im Ostseeraum, sein. Interreg ist somit Teil der Kohäsionspolitik, mit dem Ziel die Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern. Dieser Ausgleich von Entwicklunsgefällen soll im Sinne einer europäischen Solidarität den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in Europa stärken. Für diesen Zweck werden sowohl geografische Gebiete als auch spezifische inhaltliche Bereiche festgesetzt, die gefördert werden.

Die 24-jährige Interreg-Reporterin Antje im Kulturzentrum Jelenia Góra. © Katarzyna Patrzałek

Die 24-jährige Interreg-Reporterin Antje im Kulturzentrum Jelenia Góra. © Katarzyna Patrzałek

Mein Job bei Interreg

Meine Einsatzstelle ist das Kooperationsprogramm Interreg Polen-Sachsen, also die administrativ-koordinative Ebene in diesem Programm, mit Sitz in Breslau. Das „Gemeinsame Sekretariat“ nimmt Projektanträge entgegen, bewertet diese, unterstützt und überprüft laufende Projekte und kümmert sich außerdem um die PR- und Öffentlichkeitsarbeit. Es sind noch einige weitere Instanzen, wie einige Ministerien von polnischer und sächsischer Seite, involviert.

Aber ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen…

…sondern das verbreiten, was das Programm ausmacht: tolle Projekte und engagierte Menschen, die den Grenzraum voranbringen! Deswegen bin ich als Reporterin unterwegs, um über alles das zu berichten. Zudem betreue ich meine Facebook-Seite und zurzeit einen ganz besonderen Adventskalender. Dieser besteht aus 24 Türchen, hinter denen sich 24 Filme verstecken. In aufgezeichneten Beiträgen liefere ich als Reporterin interessante Informationen und Eindrücke aus dem Programm und den Projekten. Ich habe viele Freiheiten und kann meiner Kreativität beim Drehen, Schneiden und Bearbeiten von Filmen freien Lauf lassen. Während des Studiums hatte ich für derartige Projekte keine Zeit. Mir ist bewusst geworden, dass mich die Verbindung von kreativer Arbeit und meinem Interesse an deutsch-polnischen Themen sehr erfüllt und motiviert.

Hinzu kommt, dass ich mit einem tollen Team zusammenarbeite und von meinen Koleg*innen viel lernen kann. Mein Mentor spricht so viele Sprachen, dass ich den Überblick verloren habe und auch in Sachen polnischer Humor ist er Experte.

Die Altstadtbrücke verbindet Görlitz mit dem polnischen Stadt Zgorzelec - auch Antje möchte "Brücken über Grenzen hinweg bauen". © Katarzyna Patrzałek

Die Altstadtbrücke verbindet Görlitz mit der polnischen Stadt Zgorzelec – auch Antje möchte „Brücken über Grenzen hinweg bauen“. © Katarzyna Patrzałek

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Dieser Job kam für mich genau richtig! Nach meinem Bachelor-Studium bietet sich mir so die Möglichkeit, neue Facetten der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, mit denen ich bisher wenig Berührungspunkte hatte, kennenzulernen. Nicht zuletzt habe ich die Gelegenheit, die südwestlichen Ecken Polens zu entdecken und meine Polnisch-Sprachkenntnisse aufzupolieren.. Vor drei Jahren habe  ich für zwei Auslandssemster in Danzig gewohnt und war dabei vor allem im Norden an der Ostseeküste unterwegs. Für Grenzenlos habe ich über diese Zeit berichtet.


Grenzenlosigkeit

In meiner bisherigen Zeit bei Interreg war ich auch ziemlich oft in Deutschland. Damit habe ich nicht gerechnet. Eigentlich ist es nicht so wichtig, in welchem Land und auf welcher Seite der „Grenze“ man sich befindet! In diesem Sinne sind Polen und Deutschland dann grenzenlos.

Bewirb dich fürs Programm „Interreg Volunteer Youth“

Im Frühjahr 2017 wurde  speziell für Interreg europaweit ein neues Freiwilligendienstprogramm „Interreg Volunteer Youth“ als Pilotinitiative gestartet. Junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren können Interreg auf verschiedene Weise kennenlernen und Teil der grenzüberschreitenden Arbeit werden! Die Idee dahinter ist es, Interreg durch Volontäre bekannter zu machen und für Themen, wie Europäische Solidarität, zu werben.

Wie könnt ihr teilnehmen?
Ihr könnt euch entweder als „Interreg Reporter“ auf administrativ-koordinativer Ebene oder als „Project Partner“ bei der konkreten Umsetzung eines Projekts bewerben. Dabei sind die Rahmenbedingungen ziemlich gut, was die finanzielle und versicherungstechnische Absicherung betrifft. Außerdem gibt es mit der Koordinationsstelle des Programms, die Arbeitsgemeinschaft für Europäische Grenzregionen, einen weiteren unterstützenden Ansprechpartner neben der Einsatzstelle.

Wo könnt ihr euch bewerben?

  • Interreg Volunteer Youth ist ein europaweites Programm, das laufend offene Voluntärstellen für Einsatzbereiche in ganz Europa und speziell für Europas Grenzregionen, vergibt
  • Alle Voraussetzungen und offenen Volontärsstellen findet ihr hier: www.interregyouth.com/placement-offers

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