Sprachmittlerin beim Jugendaustausch

Die 19-jährige Ellen beim Urlaub in Olesno.

Die 19-jährige Ellen mit Hund Schnuffi in Oberschlesien. © Ellen Junghof


Im letzten Jahr konnte ich als Praktikantin an einem deutsch-polnischen Jugendaustausch teilnehmen. Dabei wurde ich als Sprachmittlerin sowie Kinder- und Jugendbetreuerin eingesetzt. Das war eine spannende und erlebnisreiche Zeit.

Der Jugendaustausch fand in Borki Małe in Oberschlesien statt. Ein kleiner Ort fünf Kilometer von Olesno entfernt. Aus Deutschland kamen 16 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren. Die polnischen Jugendlichen warteten in Olesno auf uns. Wir übernachteten 11 Tage lang im Hotel „Na Kamieniu“. Das Kennenlernen verlief ohne Probleme und wir freundeten uns schnell an.

Da es meine Aufgabe war die Kinder und Jugendlichen zu betreuen und zu übersetzen, blickte ich mit Spannung auf das Programm und gestaltete es mit.

Der erste gemeinsame Ausflug ging nach Wadowice. In die Stadt, in der Papst Johannes Paul II. geboren und aufgewachsen ist. Wir waren in „seiner“ Kirche und der polnische Priester Dawid hielt für uns eine Messe. Anschließend hatten wir eine kurze Verschnaufpause und wer wollte, der konnte die sogenannten „kremówki papieskie“, die „päpstlichen Cremeschnitten“ probieren. Papst Johannes Paul II. hat diese bekannt gemacht, da er zahlreiche Stücke bei seinen Heimatbesuchen verdrückte. Sie waren wirklich lecker!
Danach sind wir zu dem Freizeitpark „Energylandia“ gefahren, in dem alle viel Spaß hatten.

Die darauffolgenden Tage waren gefüllt mit Freizeitaktivitäten, wie Freibad-Besuchen in Olesno, Schwimmen im See Anpol in Stare Olesno, Fußball- und Volleyball spielen und zahlreichen anderen Beschäftigungen.

Ein weiterer Ausflug ging nach Tschenstochau. Dort lernten wir in der Kirche das heilige Gemälde der „Schwarzen Madonna“ kennen. Anschließend war die Gruppe shoppen in der Galerie „Galeria Jurajska“. Am Abend spielten wir  auf dem Gelände unseres Hotels Paintball.

Lagerfeuerabende und Freizeitaktivitäten in der Natur gehörten zum Programm beim Jugendaustausch. © Ellen Junghof

Lagerfeuerabende und Freizeitaktivitäten in der Natur gehörten zum Programm. © Ellen Junghof

An einem Abend machten wir ein Lagerfeuer und grillten leckere polnische Würste auf Stöcken. Anschließend saßen wir bei gemütlicher Atmosphäre am lodernden Feuer und sangen deutsche und polnische Lieder.

Die zweite Woche begann sportlich mit Kajak fahren. Jeweils zu zweit sind wir dem 13 km langen Fluss gefolgt. Unsere große Gruppe ist tatsächlich zusammen geblieben!

Die Jahrhunderthalle in Breslau.

Die Jahrhunderthalle in Breslau. © Ellen Junghof

Ein weiteres Highlight war der Ausflug nach Breslau. Dort besuchten wir eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt: das riesige Panorama von Racławice. Das Panoramabild zeigt den Sieg der polnischen Armee über die russische im Jahre 1794. Zudem sahen wir im Sky Tower, der 212 Meter hoch ist, Breslau von oben. Wir besichtigten die Altstadt, waren im Zoo und im Aqua Park.

Das Aleksander-Fredro-Denkmal am Großen Ring in Breslau.

Das Aleksander-Fredro-Denkmal am Großen Ring in Breslau. © Ellen Junghof

Der zehnte Tag verlief etwas ruhiger. Am Abend kam der Bürgermeister von Olesno in unser Hotel und die Jugendlichen führten Sketche vor, sangen und tanzten. Da es unser letzter gemeinsamer Abend war, durfte eine polnische Party nicht fehlen!

Am letzten Tag wurden die Zimmer geräumt und es gab eine Abschiedsmesse in der Gemeinde Wysoka.

Nachdem sich die deutschen Jugendlichen von den polnischen verabschiedet haben, ging es für sie zurück nach Bielefeld. Ich blieb für einen Urlaub in Oberschlesien bei meinen Großeltern und ihrem Hund Schnuffi. Es war traurig, dass der Austausch vorbei war, aber es war für uns alle eine tolle Zeit!

Hund Schnuffi fühlt sich in den Feldern und Wäldern von Oberschlesien Zuhause.

Hund Schnuffi fühlt sich in den Feldern und Wäldern von Oberschlesien Zuhause. © Ellen Junghof

Das Zusammenbringen von deutschen und polnischen Jugendlichen erlebte ich positiv. Vor allem haben die Deutschen viel über die polnische Kultur und Geschichte erfahren. Auch die Sprachkenntnisse haben sich verbessert. Im Sprach-Tandem konnten sich die Jugendlichen austauschen. Wir hatten die ganze Zeit gutes Wetter und das polnische Essen hat allen geschmeckt!

Insgesamt lässt sich sagen, dass es für mich eine besondere Erfahrung war als Betreuerin und Sprachmittlerin zu arbeiten. Ich mache Abitur und gleichzeitig eine Ausbildung zur Erzieherin. Aus diesem Grund fiel mir die Kinder- und Jugendbetreuung nicht schwer. Da meine Eltern aus Polen kommen, bin ich zweisprachig aufgewachsen. Sodass ich die Rolle der Sprachmittlerin gut annehmen konnte. Jedoch habe ich viele für mich verständliche Situationen mit anderen Augen betrachtet, da ich sie für diejenigen übersetzen musste, die sie nicht verstanden haben. Als Sprachmittlerin benötigt man neben den Sprachenkenntnissen auch viele soziale Kompetenzen, wie Einfühlungsvermögen und Geduld. Den Spaß sollte man jedoch nicht vergessen! Mit den Jugendlichen stehe ich weiterhin in Kontakt und treffe mich mit ihnen in Bielefeld oder im Urlaub in Olesno. Warum sollte man für ein Schul-Praktikum nicht auch mal nach Polen gehen? Ich kann es empfehlen! Das Praktikum konnte ich mir für meine Ausbildung zur Erzieherin anerkennen lassen und habe durch die zweisprachige Betreuung zusätzliche Kompetenzen erworben.

Organisiert wurde der Austausch von der polnischen Caritas Olesno und Teresa Palmer aus der Bielefelder Pfarrgemeinde Maria Königin.

Serdeczne Pozdrowienia
Ellen


 „Post aus …“

In der Rubrik „Post aus …“ berichten junge Deutsche und Polen von ihren Erlebnissen im Nachbarland. Sie schreiben über Erfahrungen. Gleichzeitig vergleichen sie Deutschland und Polen und beschreiben Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachbarländer.

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