Kabarettist Steffen Möller bei einer Autorenlesung in der polnischen Hauptstadt. © Deutsche Botschaft Warschau

„Polen für Fortgeschrittene!“

Die polnische Hauptstadt steht im Mittelpunkt der Neuerscheinung „Viva Warszawa“ von Steffen Möller. Um den Hauptstädtern ihren Wohnort näherzubringen, war der Kabarettist im Juni für ein Autorengespräch zu Gast in der Deutschen Botschaft Warschau.

Die Atmosphäre im Veranstaltungssaal ist vertraut. Jeder Stuhl ist besetzt. Gespannt warten die Gäste auf den Auftritt des Autors. Als der Kabarettist gemeinsam mit dem deutschen Botschafter Rolf Nikel und der Wissenschaftlerin Dr. Agnieszka Łada die Bühne betritt, wird es ruhig. Botschafter Nikel lobt Möllers Engagement für die deutsch-polnischen Beziehungen und hält eine kurze Ansprache. Danach übernimmt Łada, die beim Institut für Öffentliche Angelegenheiten Studien zum deutsch-polnischen Verhältnis herausgibt, die Moderation.

Der deutsche Botschafter Rolf Nikel begrüßt die Gäste. © Deutsche Botschaft Warschau

Der deutsche Botschafter Rolf Nikel begrüßt die Gäste. © Deutsche Botschaft Warschau

Diese Buchvorstellung von „Viva Warszawa“ ist die erste in Polen. Einige Male hat Möller sein neues Buch in Deutschland vorgestellt, zum Beispiel auf der Buchmesse in Leipzig. Bereits zu Beginn  beweist der Komiker sein historisches Wissen, indem er die Besonderheit des Standortes der Deutschen Botschaft erklärt. An diesem Ort war einst die erste Siedlung Warschaus. In der ulica Jazdów stand die Stadtburg eines Fischerdorfes. Später wurde dort die Deutsche Botschaft errichtet.

„Sitzen auch Warschauer im Publikum?“, fragt Möller. Etwa die Hälfte der Leute hebt die Hand. „Aha! Sind Sie sich sicher, dass Sie ein echter Warschauer oder eine echte Warschauerin sind?“, hakt er nach. Das Publikum lacht. Nur Hauptstädter, deren Vorfahren seit 1939 in Warschau leben, seien „echte“ Warschauer. Nach Möllers Definition gehen einige Hände runter. Der Grund für seine Aussage ist, dass die Leute, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Warschau kamen, von sich behaupteten, „echte“ Hauptstädter zu sein und alle neuen Anwohner als „Landbevölkerung“ bezeichneten. Die neuen Hauptstädter sollen unter anderem den Aberglauben in die Stadt gebracht haben. „Meine Tasche steht auf dem Boden. Das Geld läuft weg und ich werde arm!“, sagt Möller. Das ist nur eine von vielen abergläubischen Behauptungen, die der Komiker in Polen gelernt hat. Auch traditionelle Bräuche sind ihm in Polen begegnet. Dazu zählt unter anderem der nasse Montag, auch „Śmigus-dyngus“ genannt. Am Ostermontag bespritzen sich viele Polen mit Wasser. Meist machen das junge Männer, um den auserwählten Frauen ihr Interesse zu zeigen.

Moderatorin Dr. Agnieszka Łada im Gespräch mit Steffen Möller. © Deutsche Botschaft Warschau

Moderatorin Dr. Agnieszka Łada im Gespräch mit Steffen Möller. © Deutsche Botschaft Warschau

Auf die Frage, woher der Buchtitel kommt, scherzt Möller: „Krakau ist für Anfänger. Warschau ist für Fortgeschrittene. Und damit die zweite Reisestation“. Die Beziehung zwischen den polnischen Städten beschreibt der Autor als noch angespannter als die zwischen München und Berlin und in etwa so schlecht wie das Verhältnis zwischen Düsseldorf und Köln. Einer der Gründe für den Konkurrenzkampf sei die Verlegung der ehemaligen polnischen Hauptstadt aus Krakau nach Warschau Ende des 16. Jahrhunderts. Krakau ist mit der wunderschönen Altstadt eine ideale Touristenstadt. Warschau hingegen wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört und danach modern aufgebaut. Ein Krakauer Witz lautet: „Wo ist der schönste Platz in Warschau? – Am Hauptbahnhof auf Gleis vier, von wo aus der Zug nach Krakau fährt“.

Bei der Titelwahl zu seinem aktuellen Buch bezog sich der Autor auf seine Erstveröffentlichung „Viva Polonia“. Einige interessante Titelvorschläge kamen auch von seinen Lesern. Unter anderem waren folgende Empfehlungen dabei „Warschau – ein Kniefall“, „Komm nach Warschau, dein Großvater war auch schon da!“ oder „Warschau – meine geheimen Zusatzprotokolle“.

Für Möller haben die Länder viele Gemeinsamkeiten. Dazu zählen die Geografie, die Küche, das Wetter und die gemeinsame Geschichte. In Polen schätzt er die Höflichkeit der Menschen und in Deutschland die Kritikfähigkeit.

Volles Haus: Jeder Platz ist besetzt bei dem Auftritt von Steffen Möller. © Deutsche Botschaft Warschau

Volles Haus: Jeder Platz ist besetzt bei dem Auftritt von Steffen Möller. © Deutsche Botschaft Warschau

Nach etwa einer Stunde endet das Autorengespräch. Die Zeit verging aufgrund der lockeren Moderation und der witzigen und wortgewandten Art des Autors schnell. Im Anschluss gibt Möller Autogramme und macht Fotos mit den Gästen. Nach dem Signieren wartet im Garten der Botschaft ein großes Buffet. Die Anwesenden sind begeistert von dem Auftritt. Der Autor sei natürlich und sympathisch. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, wird es jetzt bestimmt tun!

Steffen Möller lebt seit 1994 in Warschau. Bekannt wurde er durch seinen Auftritt in der polnischen Serie „M jak Milość“. Möller wurde unter anderem mit dem Deutschen Verdienstkreuz für sein Engagement für die deutsch-polnischen Beziehungen ausgezeichnet.

Lest mehr über Steffen Möller und sein neues Buch im Grenzenlos-Interview „Verliebt in Warschau“.

 

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