Der Phönix der Städte: Fünf Insider-Tipps für Warschau

Ähnlich wie in Spanien, wo die Hauptstadt Madrid und der Besuchermagnet Barcelona miteinander konkurrieren, verhält es sich auch in unserem Nachbarland Polen zwischen Warschau und der „heimlichen Hauptstadt“ Krakau. Dabei hat die polnische Hauptstadt nicht weniger zu bieten und birgt eine interessante Mischung aus alt und neu. Moderne Wolkenkratzer ragen zwischen historischen Bauwerken, die an das historische Stadtbild erinnern. Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Wie ein Phönix aus der Asche wurde die Stadt nach den tragischen Ereignissen aus ihren Trümmern wieder aufgebaut, und zwar originalgetreu und im kleinsten Detail. Vor allem das Herz Warschaus, die „Altstadt“ (Starówka), wurde in mühevoller Kleinstarbeit wieder rekonstruiert.

Das Herz Warschaus

Der alte Marktplatz in Warschau. © Izabella Meczykowski

Im Mittelpunkt der historischen Altstadt steht der pittoreske Marktplatz, in dessen Mitte die Meerjungfrau Sawa, das Symbol Warschaus und Teil des Warschauer Stadtwappens, majestätisch platziert ist. Die Legende besagt, dass als Warschau noch nicht existierte und an Stelle der Metropole wenige Fischerhütten an der Weichsel standen, ein Fischer namens Wars in eine Meerjungfrau mit dem Namen Sawa verliebte. Diese gründeten zusammen die heutige Hauptstadt und verliehen ihr den Namen: Warszawa. Dies ist nur eine von unzähligen Versionen über die Legende der geheimnisvollen Meerjungfer, die mir meine Großmutter bereits in jungen Jahren mit auf den Weg gegeben hat. Da ich als Kind ein großer Fan der kleinen Meerjungfrau Arielle war, war ich wie hin und weg von dieser Geschichte, die mir damals logisch vorkam.

Seit 1980 gehört die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt für mich zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier trifft sich Gott und die Welt, um sich in den kleinen Gassen zu verlieren, das Königsschloss oder den Altstadtmarkt zu besuchen, oder aber das Lieblingsgericht Polens Pierogi (gefüllte Teigtaschen) in einem der vielen Restaurants (Pierogarnia)  zu kosten. Urlauber und Einheimische gleichermaßen wohlgemerkt. Und damit komme ich auch zu einem weiteren Muss in der Polnischen Hauptstadt: die sogenannten „Milchbars“ (Bar Mleczny).

 

Ein Stück polnische Kultur

Das leckere Pizza-Baguette „zapiekanka“. © Izabella Meczykowski

Liebe geht durch den Magen, aber nicht nur. Denn wer das Land besonders gut kennenlernen möchte, muss sich in eine der polnischen Milchbars begeben, die in den Zeiten des Sozialismus regelrecht aufblühten. Den Brauch in diesen zu speisen, habe ich übrigens von meiner Oma, einer gebürtigen Warschauerin, die die Milchbar Familijny auf der Flanierstraße Nowy Świat („Neue Welt“) regelmäßig aufsuchte. Hier wird gute polnische Hausmannskost für kleines Geld serviert, obwohl „serviert“ wahrscheinlich das falsche Wort ist. Denn die Milchbars sind mit einer Kantine zu vergleichen: Erst stelle ich mich an, um an der Kasse zu bestellen und zu bezahlen. Anschließend stehe ich in der zweiten Schlange an, um in einem Küchenfenster den Zettel mit der Bestellung einzureichen und darauf zu warten, aufgerufen zu werden. Danach suche ich verzweifelt einen freien Tisch, denn die Milchbars werden vor allem zur Mittagszeit rappelvoll. Je öfter man hier speist, desto mehr wird klar: Wer etwas über die polnische Kultur lernen will, der ist hier goldrichtig. Traditionell wurden in den Milchbars eher fleischlose Gerichte serviert, wie Kopytka (polnische Klöße aus einem Kartoffel-Mehl-Teig) mit Butter und Zucker oder die sogenannte „Milchsuppe“ (Zupa mleczna). Dazu gab es meistens ein Glas Milch. Noch heute findet man diese Gerichte auf der Speisekarte neben weiteren beliebten polnischen Gerichten, die mit den Jahren dazu kamen. Zugegebenermaßen sehen die Speisen auf den Teller nicht gerade appetitlich aus, aber umso besser schmecken sie! Das einzige Problem für ausländische Touristen: die Speisekarten gibt es meist nur auf polnisch, daher sollte man sich bereits im Voraus über das Angebot informieren. Wer überfordert ist, dem kann ich auch die beliebte Zapiekanka (ein halbes Baguette mit Käse und Champignons) empfehlen, ein Snack, den man an jeder Straßenecke finden kann. Pycha (lecker)!

Izabella steht vor dem Schloss Agrykola im Lazienki-Park. © Izabella Meczykowski

Der größte Park Warschaus

Die grüne Lunge der Stadt und einer meiner Lieblingsorte aus der Kindheit ist zweifelsohne der etwa 80 Hektar große Lazienki-Park (auf deutsch „Bäder-Park“), zu dessen Hauptattraktionen der Lazienki-Palast gehört. Da dieser auf einer künstlich angelegten Insel gebaut wurde, bekam er mit der Zeit den Beinamen „Wasserpalast“. Im Sommer begeistert der Park mit seiner bunten Blütenpracht, während es im Winter dank der festlichen Beleuchtung mit Licht-Instalationen besonders romantisch ist. Eine beliebte Beschäftigung an wärmeren Tagen ist übrigens eine äußerst amüsante Gondel-Fahrt auf dem Teich vor dem Palast in königlichem Ambiente, die zu einem Besuch des Bäder-Parks einfach dazugehört! Fast kommt man sich vor wie in Venedig – aber nur fast.

Schon als Kind kam ich gerne in den Park, um auf der weiten Grünfläche mit Gleichaltrigen zu spielen und am Sonntag mit der Familie spazieren zu gehen und Gofry (heiße Waffeln mit verschiedenen Toppings) zu essen. Damals wohnte meine Oma nur fünf Minuten vom Lazienki-Park entfernt, bis sie zu meiner Tante und ihrem Mann in eine größere Wohnung in einem anderen Stadtteil zog. Schade, denn die Lage war nahezu ideal. Dennoch besuche ich den Park bei Gelegenheit noch heute, setze mich gerne in das imposante Amphitheater und lasse den Flair der Antike auf mich wirken oder genieße eine der im Sommer stattfindenden Theater- oder Konzertaufführungen. Einfach einzigartig!

Die Königin der polnischen Flüsse

Schon seit der Gründung Warschaus ist sie der polnischen Metropole nicht von der Seite gewichen: die Weichsel (Wisła). Sie ist nicht nur der längste Fluss des Landes, sondern dort gleichzeitig ihre Quelle und Mündung. Sie fließt zudem durch die ehemalige Hauptstadt Krakau und die geschichtliche Stadt Płock. Und obwohl die Weichsel viele Jahre in Vergessenheit geraten ist, blüht sie nun umso mehr auf. Investoren haben in den letzten Jahren viele Złoty (die polnische Währung) in den etwa fünf Kilometer langen Boulevard gesteckt, der sich entlang des linken Ufers zieht. Vor allem im Sommer lohnt sich ein Besuch, wenn viele junge Polen hier nach der Arbeit bei einem Drink oder einem kühlen Bier in einem der zahlreichen Cafés den Tag ausklingen lassen. Viele machen es sich in einem Liegestuhl bequem und genießen die Aussicht auf das auf dem gegenüberliegenden Ufer gelegene Nationalstadion. Seit Kurzem sieht man auf dem Boulevard neben Leih-Fahrrädern auch unzählige Elektro-Tretroller. Hierzu muss man eine App herunterladen und kann die grünfarbenen Scooter gegen Bezahlung nutzen. Es macht nicht nur Spaß, sondern ist vor allem nachhaltig und bietet eine schöne Möglichkeit, um die polnische Hauptstadt im Detail zu erkunden. Viele Besucher nutzen die E-Roller, um auf dem Boulevard rumzucruisen und sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen.

Izabella und ihre Mama Małgorzata Sawicka stehen an der Weichsel vor dem Nationalstadion. © Izabella Meczykowski

Eine Stadt, die viel zu erzählen hat

Warschau ist eine Stadt voller historischer Ereignisse, leider oft mit tragischem Hintergrund. Dementsprechend ist die Thematik der zahlreichen Museen in Warschau nicht selten angelehnt an die Kriegszeit. Unter anderem empfehle ich einen Besuch des Museums des Warschauer Aufstandes – ein Aufstand der polnischen Armee im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis – und das äußerst eindrucksvolle Museum der Geschichte der polnischen Juden. Wer dieser bedrückenden Thematik jedoch eher aus dem Weg gehen möchte, dem kann ich vor allem das Kopernikus Wissenschaftszentrum ans Herz legen! Neben zahlreichen Ausstellungsräumen, können Besucher selbstständig Experimente in Laboren durchführen, den Sternenhimmel im Planetarium bewundern und mehr zu dem egozentrischen Weltbild von Nikolaus Kopernikus, dem Namensgeber des Zentrums, lernen. Ein absolut lohnenswerter Besuch, der Lernen mit Spaß verbindet, allerdings sollte man sich die Tickets bereits im Voraus auf der Internetseite bestellen, um langes Schlangestehen zu vermeiden.

Das Schloss, die Sigmundkolumne und die Warschauer Altstadt. Der Wasserpalast im Lazienki-Park. zabella steht vor dem Schloss Agrykola im Lazienki-Park. © Izabella Meczykowski

Das Schloss, die Sigismundssäule und die Warschauer Altstadt. © Izabella Meczykowski

Schlösser voller Geschichten

Eine weitere Attraktion ist der Wilanów Palast, der 1677 erbaut wurde und vielen polnischen Monarchen als Wohnsitz diente. Heute wird das Schloss als Museum genutzt und zeigt Besuchern sowohl die Geschichte des Palastes als auch eine prächtige Parkanlage mit liebevoll gepflegten Gärten, schattenspendenden Bäumen, hübsch verzierten Brunnen, angelegten Bächen und einer Orangerie. Besonders gerne komme ich nach Wilanów im Sommer, um abseits des Großstadt-Trubels etwas Ruhe und Entspannung in königlicher Atmosphäre zu genießen.

Izabella am Schloss Wilanów. © Izabella Meczykowski

Izabella auf Reisen

Folgt Izabella auf ihren Reisen und Abenteuern über Grenzen und Länder hinaus. Ihre Fotos und Geschichten teilt sie auf ihrem Instagram-Profil „hertravelvisions“. Do zobaczenia!

In ihrem Beitrag „Post aus aller Welt“ könnt ihr lesen, was sie bereits erlebt hat.

 

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