Krakaus Marktplatz. © Natalie Junghof-Preis

Auf Spurensuche im Krakauer Umland

Wer Krakau und das Umland aus religiösem Interesse besucht, der denkt dabei vor allem an eine ganz bestimmte Person: Karol Wojtyła, später Papst Johannes Paul II. Auch ich gehöre dazu, obwohl ich ihn nie persönlich getroffen habe. In meiner Kindheit habe ich ihn oft im Fernsehen gesehen. Mich faszinierte seine Strahlkraft, sein Charisma. Schnell wurde mir bewusst, dass er nicht nur für Krakau, sondern für ganz Polen, sogar für die Welt bereits seit Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt wurde. Das zeigt sich besonders in Krakau und deswegen machte ich mich auf eine Reise in die polnische Stadt.

Als Theologiestudentin habe ich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Texten zu tun. In meiner Freizeit studiere ich aber auch gerne das Leben von Menschen, die mich und andere inspirieren. Papst Johannes Paul II. hat mich so ergriffen, dass ich seinen Spuren folgen wollte.

Museum in Wadowice

In der Nähe von Krakau liegt Wadowice, der Geburtsort von Karol Jozef Wojtyła. In seinem Geburts- und Elternhaus befindet sich heute ein Museum, das die wichtigsten Stationen seiner Biographie in chronologischer Reihenfolge darstellt. Beim Betrachten der einzelnen Stationen seines Lebens hatte ich das Gefühl, seinen Weg ein Stück weit mitzugehen. Dank meiner polnischen Wurzeln habe ich keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten, aber die sind nicht unbedingt nötig, um zu verstehen, was Orte wie diese bedeuten können. Neben vielen Originalaufnahmen haben auch zahlreiche Videos, Manuskripte und Kleidungsstücke dazu beigetragen, dass ich mich dem Papst auf einer geistigen Ebene verbunden fühlte. Für mich war das Haus mehr als nur ein Museum.

Taufkirche

In seiner Taufkirche St. Marien gegenüber dem Museum steht der ursprüngliche Taufstein, in dem Becken darüber wurde Karol Wojtyla getauft. Unzählige Andenken, wie Bilder, Saturn oder Ikonen, finden sich  in der Kirche und in der ganzen Region Kleinpolens. In Krakau in jeder Kirche und Kapelle, sogar auf den Straßen ein Hinweis auf den Papst zu finden. Mit Kerzen und Rosenkränzen, Blumen und Gebetszetteln suchen Christen das innere Gespräch. Es ist ein Personenkult um ihn entstanden, den er selbst wohlmöglich niemals provozieren wollte, obgleich er ihn auch genoss. Wie wir wissen, hat er sich vor und während seiner Ausbildung zum Priester nämlich gerne mit Literatur und Theater befasst er war ein passionierter Schauspieler, der mit jungen Menschen umzugehen wusste.

Ein Sanktuarium zu Ehren des Papstes

Im Stadtteil Lagiewniki befindet sich das Sanktuarium Johannes Pauls II. Das Gebäude der Kirche ist wegen der beeindruckenden Mosaiksteinchen, der Decke und Seitenschiffe mit biblischen Motiven einen Besuch wert. Doch scheint  die wohl prägnanteste Reliquie die Blutampulle Johannes Paul II. zu sein. Sie ist in einem Glaskasten ausgestellt, vor dem eine Kniebank zum persönlichen Gebet einlädt.

Die enge räumliche Verbindung zu dem Kloster der Schwestern von der Kongregation „Mutter Gottes der Barmherzigkeit“ ist bewusst gewählt worden. Die verstorbenen Schwester Faustyna Kowalska ist der Ursprung des Ordens. Auf ihre Beschreibung hin wurde das bekannte Bild des barmherzigen Jesu gemalt. Weltweit ist dieses Bild bekannt. 1993 sprach Papst Johannes Paul II. Schwester Faustyna selig und 2000 heilig. Kein Wunder: Barmherzigkeit gehörte zum Programm diese Papstes. Er veranlasste die Feier des Barmherzigkeitssonntages.

Beim Weltjugendtag 2016 in Krakau waren Schwester Faustyna und Papst Johannes Paul II. die Schutzpatronen des Jugendfestivals.

Die Stadt Krakau

Krakau gehört zu den beeindruckendsten Metropolen Europas. Neben den modernen Cafés und zahlreichen Shopping-Gelegenheiten treffen Menschen im Stadtkern auf Geschichte und Tradition. Erinnerung und Zukunft verlaufen hier ineinander. Das gilt auch für die Frage nach dem religiösen Erbe. In den meisten Orten gibt es eine Menge Fundstücke und Geschenkideen, die mit verschiedenen Papstmotiven zum Kauf locken. Wenn aber die Freude über diesen Papst, der aus einem kleinen, eher unbedeutenden (zu seiner Zeit noch sehr viel ärmeren) Land stammt, weiterhin lebendig bleiben und sein Geist im Volk weiteratmen soll, dann müssen allen voran die jüngeren Generationen über sein Wirken informiert werden. Wir alle können dazu beitragen, dass das Gedenken an den Heiligen nicht verloren geht.

Der Mensch Karol Wojtyla

Die Aura, die der Heilige schon zu Lebzeiten versprühte, umhüllt wie in einem unsichtbaren Nebel und gleichzeitig mit sichtbaren Andenken die Großstadt Krakau: Sein Gesicht schmückt zahlreiche Hauswände, Gebetsbildchen und Postkarten; viele Statuen und Büsten zeigen ihn meist nachdenklich, andächtig, betend mit geschlossenen Augen. Fast immer hält er sein markantes Kreuz fest in den Händen. Auch ich darf mich als stolze Besitzerin des Kreuzes im Kleinformat bezeichnen: Ein Pfarrer, der in meiner Gemeinde tätig war, bekam bei einer Privataudienz einen Rosenkranz aus den Händen des Papstes überreicht. Bei dem Gedanken daran bekomme ich Gänsehaut und weil er von meiner Sympathie zum Papst wusste, schenkte er ihn mir. Die schwarzen Perlen des Rosenkranzes beginnen und enden mit dem Kreuzchen, das der Hl. Johannes Paul II. an seinem Bischofsstab trug und immer wieder umfasste.

Papst Johannes Paul II. hat die Menschen weltweit geprägt. Er hat mit ihnen Geschichte geschrieben und ist Teil einer Kultur, die die Stadt Krakau und das Land Polen hat aufblühen lassen. Ihm zu Ehren wurde das Zentrum Papst Johannes Paul II. gegründet. Das ebenfalls einen Besuch wert ist.

 

 

Do zobaczenia w Krakówie!
Miriam Pawlak

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