Warschau in Geschichte und Gegenwart

Die 24-jährige Studentin Rebecca Räpple hat in Warschau ein zweites Zuhause gefunden.
Die 24-jährige Studentin Rebecca Räpple hat in Warschau ein zweites Zuhause gefunden. © Rebecca Räpple

Direkt nach meinem Abitur verbrachte ich während eines Europäischen Freiwilligendienstes ein Jahr in Polen und arbeitete dort an einer Schule. Dabei knüpfte ich erste Kontakte und lernte die polnische Kultur kennen. Im Anschluss an den Freiwilligendienst nahm ich an einem von der Gemeinschaft für studentischen Austausch (GFPS) organisierten vierwöchigen Tandem-Sprachkurs teil, um meine Kenntnisse der polnischen Sprache zu erweitern.

Zurück in Deutschland angekommen, war mir bereits klar, dass ich noch einmal nach Polen reisen wollte. Und das tat ich auch. Momentan lebe ich in Warschau.
In Deutschland studiere ich Politikwissenschaft im Bachelor an der Freien Universität Berlin. Es gibt eine besondere Kooperation zwischen der Universität Warschau und der Freien Universität Berlin. Das Austauschprogramm verbindet das Studium mit einem Auslandssemester. Neben den Bewerbungsunterlagen gehört ein Vorstellungsgespräch, in dem auch die Sprachkenntnisse geprüft wurden, zum Auswahlverfahren. Das Austauschprogramm beinhaltet ein Stipendium, mit dem alle Lebenshaltungskosten gedeckt werden sollen. Gleichzeitig habe ich mich für das Stipendium der polnischen Regierung beworben, um nach Ablauf der Förderung durch meine Uni weiterhin in Warschau zu studieren. Für das Auswahlverfahren sind aussagekräftige Bewerbungsunterlagen wichtig. Erfreulicherweise habe ich auch dieses Stipendium erhalten. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten für deutsche Studierende in Polen, über die man sich nur informieren muss.

Seit einem halben Jahr wohne ich nun in der Hauptstadt. Durch Freunde und Bekannte habe ich schnell ein Zimmer in Warschau gefunden und mich eingelebt. Generell gibt es in Warschau viele Wohngemeinschaften, ähnlich wie in Deutschland. Meiner Erfahrung nach, ist das WG-Leben hier viel familiärer und fast immer wird zusammen gekocht, geputzt und eingekauft.

Warschauer Wolkenkratzer, fotografiert von der Aussichtsplattform des Kulturpalastes. © Rebecca Räpple

Warschauer Wolkenkratzer, fotografiert von der Aussichtsplattform des Kulturpalastes. © Rebecca Räpple

Auch der Start an der Universität Warschau fiel mir leicht. Die Anmeldung zu Kursen erfolgte über ein zentrales System im Internet. Es lohnt sich, die „normalen“ Kurse in englischer Sprache zu besuchen, da diese meistens sehr interessant gestaltet sind. Die speziellen „Erasmus-Kurse“ würde ich hingegen nicht empfehlen, da diese oft als langweilige Vorlesungen auf geringem Niveau ausgelegt sind, die mit einem Multiple Choice Test abschließen. Generell ist der Universitätsalltag in Polen strenger geregelt als in Deutschland. Fast täglich wird die Anwesenheit kontrolliert und auch die Beziehung zwischen Studierenden und Professoren sind stark hierarchisch geprägt, zum Beispiel kommt es häufig vor, dass Professoren nicht auf E-Mails antworten oder nicht zu den angegebenen Sprechzeiten erscheinen.

Im Mittelpunkt der Warschauer Altstadt liegt der Marktplatz mit den barocken Häusern.

Im Mittelpunkt der Warschauer Altstadt liegt der Marktplatz mit den barocken Häusern. © Rebecca Räpple

Da mein Studiengang an der Universität Warschau nicht so anspruchsvoll ist wie in Deutschland, absolviere ich nebenbei noch ein Praktikum beim Institut für Öffentliche Angelegenheiten. Generell gibt es viele Möglichkeiten ein Praktikum im Bereich Politikwissenschaften zu machen. So sind zum Beispiel Stiftungen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung oder die Heinrich-Böll Stiftung häufig auf der Suche nach Praktikanten aus Deutschland. Meistens werden jedoch Grundkenntnisse der polnischen Sprache verlangt.

Rebecca kauft gern auf polnischen Märkten ein. © Rebecca Räpple

Rebecca kauft gern auf polnischen Märkten ein. © Rebecca Räpple

In der Freizeit lohnt es sich innerhalb Polens zu Reisen. Züge und Hostels sind im Vergleich zu deutschen Preise um ein Vielfaches billiger. Meine Reisetipps sind Krakau mit seiner historischen Altstadt, Danzig am Meer und Breslau mit der facettenreichen Geschichte.

Für den Alltag in Warschau kann ich empfehlen, sich den alternativen Reiseführer „Zrób to w Warszawie. Do it in Warsaw“ zuzulegen. Dort gibt es viele spannende Ideen. Warschau bietet viele historisch orientierte Museen, wie zum Beispiel das Museum des Warschauer Aufstandes oder das POLIN Museum, das die Geschichte der Juden in Polen darstellt. Viele leckere Restaurants laden zum Schlemmen ein und in gemütlichen Cafés verbringen viele Studenten ihre Nachmittage, um zu lernen und sich auszutauschen.

Selbstgemachte Piroggen isst Rebecca am liebsten. © Rebecca Räpple

Die selbstgemachten Piroggen kocht Rebecca mit Freunden. © Rebecca Räpple

Persönlich liebe ich an Warschau all diese Gegensätze, die die Stadt so spannend machen! Einerseits ist es eine große Stadt, andererseits trifft man, wie in einem Dorf, immer wieder bekannte Gesichter auf der Straße. Moderne futuristische Gebäude stehen neben kommunistischen Bauten. An allen Ecken wird gebaut und dennoch wird man ständig durch Gedenktafeln an die Vergangenheit erinnert.

Warschau ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich werde immer wieder in diese wundervolle Stadt zurückkehren. Ich kann allen diese großartige Erfahrung ans Herz legen, ein Auslandssemester in Warschau zu machen!

Do zobaczenia w Warszawie!

Rebecca

 


 „Post aus …“

In der Rubrik „Post aus …“ berichten deutsche Studierende, Praktikanten und Freiwillige über ihre Zeit in Polen. Sie schreiben über Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke. Gleichzeitig vergleichen sie Deutschland und Polen und zeigen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachbarländer.

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