Spuren des Weltjugendtags

Die 21-jährige Anna auf zwischen Tausenden von Jugendlichen beim Weltjugendtag in Krakau.

Die 21-jährige Anna zwischen Tausenden von Jugendlichen beim Weltjugendtag in Krakau. © Alexander Tyborski


Als beim Weltjugendtag 2013 in Rio feststand, dass Krakau die nächste Gastgeberstadt wird, spürte ich, dass das für die Welt, für Polen, aber auch für mich ein ganz besonderes Ereignis sein wird. Etwas überrascht, aber sehr erfreut, erfuhr ich im Februar dieses Jahres, dass ich als Langzeitfreiwillige im Organisationskomitee des Weltjugendtags 2016 in Krakau arbeiten und damit an diesem großen Projekt beteiligt sein kann.

Krakau ist anders als der Rest von Polen, denn das war lange die Hauptstadt Polens und der Wohnsitz zahlreicher Könige. Neben dem Wawel-Schloss und den vielen Kirchen gehört das jüdische Viertel „Kazimierz“ zu den interessanten Sehenswürdigkeiten, die den Besucher in eine andere Zeit versetzen. Nach Krakau kommen Menschen aus verschiedenen Kulturen und fast jeder Besucher schließt diese Stadt in sein Herz. Diese Stadt lebt und vor allem für Jugendliche ist sie ein besonders interessanter Ort. Unter anderem deshalb war Krakau ein idealer Gastgeber für den Weltjugendtag.

Anna vor dem Wawel-Schloss in Krakau.

Anna vor dem Wawel-Schloss in Krakau. © Anna Szargiej


Alltag in der Übersetzungsabteilung

„Wie übersetzt man das ins Deutsche und warum gibt es im Deutschen so lange Wörter?“ – das  habe ich mich während meiner Arbeit im Übersetzungsteam des Weltjugendtages täglich gefragt.
Und gleichzeitig hatte ich ständig im Kopf, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, so eine coole Arbeit, an so einem tollen Ort mit so vielen wunderbaren Menschen zu haben. Ich übersetzte u.a. die polnischen Artikel auf der Website, Texte für den Pilgerführer, Videomaterial und Informationstexte ins Deutsche.

2011 war ich beim Weltjugendtag in Madrid dabei. Was ein Weltjugendtag ist, wusste ich. Was es bedeutet, so etwas zu planen, hätte ich mir aber niemals vorstellen können. So ein großes Projekt für so viele Menschen bedarf harter Arbeit, guter Vorbereitung und starker Nerven. Aber irgendwie ist diese Arbeit anders, denn du bist nicht allein! Rundherum sind Menschen, Freiwillige, die aus der ganzen Welt kommen, um zu helfen und das wichtigste für mich: Gott ist genau in diesen Situationen spürbar! Denn genau genommen ist das Sein Projekt, Seine Veranstaltung, Seine Idee und du machst das für alle Menschen, die nach Krakau kommen, um Ihn zu treffen! Und genau das hat uns geholfen die schlaflosen Nächte, die vielen Hindernisse und schwierigen Zeiten zu überstehen.

Ich bin in Essen im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Nach meinem Abitur begann ich ein Studium der Sozialen Arbeit an der Universität Essen. Da ich polnische Eltern habe, spreche ich Polnisch und bin mit der Sprache und in zwei Kulturen aufgewachsen. Ich habe zahlreiche Familien-Besuche hinter mir, unzählige „Pierogi“ (Pieroggen) gegessen und weiß natürlich, wer Johannes Paul II. war. Diese Bereicherung, beide Kulturen in mir zu tragen, empfinde ich als großes Geschenk. Mir fällt es nicht schwer, mich in Polen an die etwas anderen Sitten und Sprache zu gewöhnen.

Papst Franziskus hautnah: Anna spricht mit Papst Franziskus Deutsch.

Papst Franziskus hautnah: Anna spricht mit Papst Franziskus Deutsch. © Alessio Vu Hoang

Mittagessen mit Papst Franziskus

Ein ganz besonderer Tag war der Samstag in der Weltjugendtagswoche. Von 100 Langzeitfreiwilligen wurde ich mit 13 weiteren Jugendlichen für ein Mittagessen mit Papst Franziskus ausgelost! Das ist wirklich passiert…obwohl ich das vorher und nachher gar nicht glauben konnte!
Wie es war? Echt schön, berührend und ermutigend. Natürlich waren wir vorher alle ziemlich aufgeregt, aber als Franziskus in den Raum betrat und uns anstrahlte, war die Aufregung wie weggeflogen. Wir saßen am Tisch, jeder aus einem anderen Land und dazu noch mit dem Papst, aber es fühlte sich an wie mit meiner Familie. Wir lachten viel, redeten aber auch über bedeutende Themen wie das Gebet oder schwierige Situationen in unseren Ländern. Franziskus war an allem interessiert und gab uns das Gefühl uns wirklich zu verstehen. Ich wechselte sogar ein paar Worte auf Deutsch mit ihm, da er in Deutschland studiert hat. Ansonsten sprach er Spanisch und das wurde übersetzt.

Das Essen war eigentlich nebensächlich, obwohl es ziemlich lecker war. Es gab unter anderem polnische Pieroggen, von denen Franziskus auch ganz angetan war (na klar!). Das Mittagessen dauerte etwa eineinhalb Stunden und fühlte sich an – wie eine kleine Ewigkeit. Es wurde vieles gesagt, doch eins ist mir besonders im Herzen geblieben: Auf die Frage, was er sich am meisten für die Jugendlichen wünscht, antwortete er, sein Wunsch sei, dass wir immer jung bleiben und unsere Energie und Mut nicht verlieren. Das ist auch bei seinen anderen Reden während des Weltjugendtags deutlich geworden. Und das nehme ich mir auch fest vor: Runter vom Sofa und raus in die Welt! Denn was erlebt man denn schon wirklich, wenn man immer nur in seiner Komfortzone bleibt? Es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Wenn man den Mut hat, dann erlebt man Großartiges! Wenn du dich dafür entscheidest, anderen deine Zeit zu schenken und etwas von dir zu geben, dann musst du bedenken, dass du womöglich mit einem reich beschenkten Herzen und Koffer wieder nach Hause kommst. Du bekommst viel mehr zurück als das du selber gibst!

Die Langzeitfreiwillige im Weltjugendtags-Outfit schwingt die Fahne.

Die Langzeitfreiwillige im Weltjugendtags-Outfit. © Viktoria Samp

Eine unvergessliche Zeit

Ich bin im März nach Krakau gekommen, um für die deutschen Pilger zu übersetzen, um meinen Beitrag zu leisten und um etwas von mir zu geben. Gegangen bin ich mit so viel mehr! Was ich während dieser Zeit alles gelernt habe ist unbezahlbar. Wie viele Freunde ich gewonnen habe ist unfassbar. Wie viele schöne Momente ich hatte, ist unbeschreiblich und welch großes Geschenk ich am Ende bekommen habe ist unglaublich: Ich konnte den Papst kennenlernen, mit ihm Deutsch sprechen und ihn sogar umarmen. Diese ganze Zeit in Krakau werde ich nie vergessen!

Serdecznie pozdrawiam

Anna


 „Post aus …“

In der Rubrik „Post aus …“ berichten junge Deutsche und Polen von ihren Erlebnissen im Nachbarland. Sie schreiben über Erfahrungen. Gleichzeitig vergleichen sie Deutschland und Polen und beschreiben Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachbarländer.

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