Die Welt zu Gast in Krakau

Die 23-jährige Viktoria Samp mit der Weltjugendtags-Flagge bei der Papstaudienz in Rom.

Die 22-jährige Viktoria Samp mit der Weltjugendtags-Flagge bei der Papstaudienz in Rom. © Natalie Junghof

(Krakau, VS) Ich habe oft Entscheidungen bereut und gezweifelt, ob ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Aber jetzt bin ich mir sicher, dass ich die für mich und für den Moment beste Entscheidung getroffen habe: Für ein Jahr nach Krakau zu fahren, um den Weltjugendtag 2016 vorzubereiten. Von der Deutschen Bischofskonferenz ausgesandt, arbeite ich beim Organisationskomitee und plane das größte kirchliche Ereignis dieses Jahres.

Der Weltjugendtag ist ein internationale Großveranstaltung mit Papst Franziskus. Er findet vom 26. bis 31. Juli in Krakau statt und versammelt um die zwei bis drei Millionen junger Menschen aus aller Welt. Der heilige Johannes Paul II., der den Weltjugendtag vor 31 Jahren initiierte, verbrachte einen wichtigen Teil seines Lebens in Krakau. Im Bewusstsein der Menschen ist er immer noch lebendig und spielt beim diesjährigen Weltjugendtag eine besondere Rolle.

Auf dem Marktplatz vor den Tuchhallen versammeln sich im Juli Tausende junge Gläubige aus aller Welt. © Viktoria Samp

Auf dem Marktplatz vor den Tuchhallen versammeln sich im Juli Tausende junge Gläubige aus aller Welt. © Viktoria Samp

Abenteuer: Weltjugendtag

Es ist für Krakau eine riesige Herausforderung, denn Hunderttausende Menschen werden auf den Straßen singen, tanzen und feiern und damit ihren lebendigen Glauben an Gott ausdrücken. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten auf Hochtouren. Bereits jetzt spüre ich bei der täglichen Arbeit die einzigartige Atmosphäre.

Der Freiwilligendienst ist für mich etwas ganz Besonderes. Erstens hat sich mein jahrelanger Traum erfüllt, in Polen zu leben. Zweitens freue ich mich, jeden Morgen zur Arbeit zu gehen und möchte das Büro nach Feierabend kaum verlassen. Zu meinen Aufgaben gehören vor allem Übersetzungsarbeiten, aber auch Artikel verfassen, Nachrichten einsprechen, Moderation, Gruppenbetreuung und Präsentationen auf Veranstaltungen. Auch Dienstreisen ins In- und Ausland gehören zu den WJT-Vorbereitungen. Ich hatte die Möglichkeit, in verschiedene Länder zu reisen, zahlreiche Menschen kennenzulernen und viele interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Unter anderem habe ich ein zweimonatiges Praktikum bei Radio Vatikan absolviert, bin mit dem Weltjugendtags-Wohnmobil durch Polen, Italien und Österreich gefahren. Aber auch hier vor Ort in Krakau ist die ganze Welt zu Gast: Ich habe Freunde aus allen Ecken der Welt und wir verstehen uns trotz der Sprachbarrieren gut!

Bei Auslandsreisen, wie nach Rom, wirbt Viktoria für den WJT 2016. © Natalie Junghof

Bei Auslandsreisen, wie nach Rom, wirbt Viktoria (2. von links) für den WJT 2016. Auf dem Bild mit Pilgerinnen aus Polen und Grenzenlos-Reporterin Natalie (3. von links). © Natalie Junghof

Vielfältiges Krakau

Jung, lebendig, dynamisch und dennoch so dörflich und romantisch – das alles ist Krakau. Bevor ich hier herkam, habe ich viele Menschen schwärmen hören und mir immer gedacht: „Das wird wohl eine Stadt sein, wie viele andere! Was kann es da denn schon Besonderes geben? Altstadt, Schloss, Fluss, Parks und Marktplatz?“. Mittlerweile bin ich auch eine von denen, die Krakau als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet. Ich glaube es liegt weniger am Stadtbild – auch das ist wunderschön – als vielmehr am besonderen Flair, der durch die Einwohner, Touristen, die Geschichte und Kultur entsteht.

Die Marienbasilika im Zentrum der Altstadt. © Viktoria Samp

Die Marienbasilika im Zentrum der Altstadt. © Viktoria Samp

In Krakau leben 800.000 Menschen, darunter 200.000 Studenten – diese Zahlen sprechen für sich. Auch ohne den Weltjugendtag ist Krakau eine einmalige Stadt: historisch, architektonisch und landschaftlich. Es wird auch „kleines Rom“ genannt. Die ehemalige Hauptstadt Polens birgt viele historische Schätze in sich. Einer der bedeutensten Orte ist der Wawelhügel mit der Wawelkathedrale, in der viele ehemalige Herrscher begraben sind. Auch für weniger geschichtsinteressierte Menschen ist der Ort auf jeden Fall einen Besuch wert! Sehenswürdigkeiten, wie die Marienbasilika, die Jagiellonen-Universität sowie andere Gebäude machen die Stadt besonders.

Ein kreisförmiger Park umgibt die Stadt und ist nicht nur im Sommer ein beliebter Weg zum Spazierengehen. Ebenso romantisch ist es im Herbst, wenn die letzten Sonnenstrahlen auf die goldenen Blätter scheinen oder im Winter, wenn der weiße Schnee die Stadt bedeckt. Das Flussufer bietet ebenso eindrucksvolle Aussichten. Hinzu kommt noch die wunderschöne Umgebung, wie das Tatarengebirge.

Ich zumindest habe nur wenige Stunden gebraucht, um mich hier wie zu Hause zu fühlen, und die Stadt und Leute in mein Herz zu schließen. Die Offenheit, die Zufriedenheit, die Lebensfreude charakterisieren Krakau. Sicherlich liegt das auch an meiner besonderen Umgebung, die aus Freiwilligen aus Polen und aller Welt besteht. Wir alle sind hergekommen, um den Weltjugendtag mitzugestalten und wie eine große Familie, die zusammenhält.

Nicht zuletzt ist auch noch das gute und sehr günstige Essen zu nennen: typisch polnische Küche, Mittagessen wie bei mir Zuhause, aber auch viele internationale Einflüsse aus Ost und West. Hier kommt jeder auf seine Kosten!

Die Weltjugendtags-Flagge begleitet Viktoria auch im Sommerurlaub in Italien. © Natalie Junghof

Die Weltjugendtags-Flagge begleitet Viktoria auch im Sommerurlaub in Italien. © Natalie Junghof

Lebendiger Glaube in Polen

In Polen sind etwa 90 Prozent der Gesamtbevölkerung katholisch. Ich habe mittlerweile aufgehört, darüber zu staunen, wie voll die Kirchenbänke – auch unter der Woche – sind. Anders als in den meisten deutschen Gemeinden leben zahlreiche junge Menschen ihren Glauben. Alltag und Glaube gehen bei den meisten Polen Hand in Hand, egal ob Jung oder Alt.

Mir gefällt die Glaubensgemeinschaft und heute kann ich sagen: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt! An sich ist das nichts Neues. Ich war schon immer äußerst zufrieden mit meinem Leben. Objektiv gesehen, habe ich nichts Besonderes. Doch aus meiner Sicht habe ich alles. In diesem Jahr habe ich meinen Platz im Organisationskomitee Weltjugendtag 2016 gefunden!

„Wenn Gott an erster Stelle steht, ist alles andere auch an richtiger Stelle.“ (hl. Augustinus)

Sei dabei und komm zum Weltjugendtag nach Krakau!

Krakau hat zwar nicht alles, aber Krakau hat etwas, was keine andere Stadt hat! Jeder sollte einmal den Weltjugendtag miterleben und wenn nicht in Krakau, was gleich um die Ecke liegt, wo sonst?!

Wenn Dich die Idee des Weltjugendtags angesprochen hat, informier Dich unter www.wjt.de, wie Du daran teilnehmen kannst. Du kannst auch als Freiwilliger Ende Juli für zwei Wochen nach Krakau kommen, um den Weltjugendtag mitzugestalten. Dabei lernst Du tolle Menschen aus aller Welt kennen und machst Erfahrungen, die Dein Leben verändern werden!

Do zobaczenia w Krakowie!

Pozdrawiam Was Wszystkich,

Viktoria

Beim WJT in Krakau fährt Papst Franziskus, wie auf dem Petersplatz, durch die Menge und segnet die Jugendlichen. © Viktoria Samp

Beim WJT in Krakau fährt Papst Franziskus, wie auf dem Petersplatz, durch die Menge und segnet die Jugendlichen. © Viktoria Samp

 


 „Post aus …“

In der Rubrik „Post aus …“ berichten deutsche Studierende, Praktikanten und Freiwillige von ihren deutsch-polnischen Erlebnisse. Sie schreiben über Erfahrungen und Eindrücken. Gleichzeitig vergleichen sie Deutschland und Polen und beschreiben Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachbarländer.

Erzähl uns Deine deutsch-polnische Geschichte!

Hast auch Du ein Semester, Jahr oder einen Urlaub in Polen verbracht und möchtest anderen jungen Erwachsenen davon berichten, dann schreib uns. Wir freuen uns über Deine Nachricht an grenzenlos@polen.pl.

 

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