Der Papst und ich beim größten Festival

Als Reporterin unterwegs auf dem Weltjugendtag in Krakau

Jugendliche aus der ganzen Welt jubeln beim Weltjugendtag in Krakau. © Marvin Dederichs

Jugendliche aus der ganzen Welt jubeln beim Weltjugendtag in Krakau. © Marvin Dederichs

Ein Meer aus bunten Flaggen ist über den Köpfen von über zwei Millionen Menschen zu sehen. Jugendliche und junge Erwachsene aus 187 Nationen singen, tanzen und beten. Ich stehe auf dem Campus Misericordiae in einer Menge von jungen Menschen und spüre die Emotionen: Enthusiasmus und Freude sind in den Gesichtern zu erkennen. Der Weltjugendtag (WJT) ist ein Fest des Glaubens, Friedens und der Jugend. Zwei Wochen lang konnte ich als Reporterin über das größte christliche Jugendereignis berichten – live vom Weltjugendtag in Krakau.

Der Weltjugendtag vereint Christen aus der ganzen Welt miteinander. Alle zwei bis drei Jahre findet er in einem anderen Land statt. In diesem Jahr wurde Polen als Veranstaltungsort ausgewählt. Vom 26. bis 31. August trafen sich junge Menschen aus der ganzen Welt, um mit Papst Franziskus das „Jahr der Barmherzigkeit“ zu feiern. Ich war mittendrin, um für die deutschsprachige Version des katholischen Fernsehsender EWTN zu berichten.

Unterwegs von Köln nach Krakau

2005 fand der Weltjugendtag in Köln statt. Ich war als Teilnehmerin dabei und von der besonderen Atmosphäre begeistert. Für mich stand im letzten Jahr fest: Ich will den Weltjugendtag in Krakau miterleben! Als ich von dem Fernsehsender EWTN gefragt wurde, ob ich als Reporterin dabei sein möchte, sagte ich direkt zu. Das Team traf sich mehrmals beim Sender in Köln, um die Sendungen zu besprechen. Die Produktion der Beiträge, die in den Weltjugendtags-Sendungen laufen sollten, begann bereits Monate zuvor. Zudem ging es für einen Teil des Teams eine Woche vor dem WJT zu den Tagen der Begegnung nach Breslau.

Natalie interviewt Südkoreanerinnen bei den Tagen der Begegnung in Breslau.

Natalie interviewt einige Südkoreanerinnen bei den Tagen der Begegnung in Breslau. © Francisco Kröger


Zwischenstopp in der Europäischen Kulturhauptstadt

Die Tage der Begegnung bilden das Vorprogramm zum Weltjugendtag. Jugendliche aus der ganzen Welt stimmten sich in den polnischen Diözesen auf den WJT in Krakau ein. Wir wählten die Europäische Kulturhauptstadt 2016 für die Vorberichterstattung aus, um Jugendliche zu interviewen, mit dem Bürgermeister Rafał Dutkiewicz zu sprechen und über die Konzerte des Mercy Festivals zu berichteten. Bereits auf den Straßen Breslaus überwältigten uns die internationalen Jugendlichen mit ihren Gesängen und Tänzen. Plötzlich standen wir in einer spontanen Tanzeinlage, bei der über 50 Jugendliche aus Deutschland, Italien und Spanien mitmachten. Das war nur einer von zahlreichen Momenten, bei denen wir spürten, dass genau diese Augenblicke den WJT besonders machen! Nach den Tagen der Begegnung ging es nach Krakau.

Natalie berichtet vor dem Krakauer Papstfenster. Alle warten auf die Rede von Papst Franziskus.

Natalie berichtet vor dem Krakauer Papstfenster.           © Natalie Junghof

Am Krakauer Papstfenster

Krakau ist für die katholische Kirche ein besonderer Ort, da das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes dort zu finden ist. Das Sanktuarium ist ein internationales Heiligtum, in dem das Gnadenbild des barmherzigen Jesus nach den Beschreibungen der Hl. Faustyna aufbewahrt wird. Zudem steht Krakau wie keine zweite Stadt für den verstorbenen polnischen Papst Johannes Paul II. Er hat 1984 den Weltjugendtag in Rom ins Leben gerufen und war neben Schwester Faustina der Patron des diesjährigen Weltjugendtags. In seiner Zeit als Bischof sprach Karol Wojtyła, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, mit Jugendlichen aus dem sogenannten Krakauer Papstfenster. In diesem erschien auch Papst Franziskus jeden Tag während seines Krakau-Besuchs. Am ersten Abend blickte auch ich gespannt auf das Fenster und berichtete für EWTN über das Geschehen. Als der Papst in seinem Papamobil um die Ecke flitzte und kurze Zeit später im Papstfenster erschien, lauschten alle gespannt seinen Worten. Dieser Abend war nur ein weiterer Höhepunkt meiner Berichterstattung.

Mit der Polizeikolonne zum Papst

Ein weiteres Highlight war der Papst-Besuch im Kinderkrankenhaus. Die Sicherheitsvorkehrungen während des WJT waren sehr hoch, sodass die Straßen rund um den jeweiligen Aufenthaltsort des Papstes gesperrt waren. Am Donnerstag ging es für mich und zahlreiche andere Journalisten mit dem Pressebus zu einem Termin ins Kinderkrankenhaus. Da der Pressebus nicht ohne Weiteres durch die Absperrungen fahren durfte, begleiteten uns zwei Polizeiwagen. Vorne und hinten fuhren sie mit Blaulicht und Sirenen. Ich fühlte mich wie in einem Actionfilm. Papst Franziskus segnete im Krankenhaus die Kinder und Jugendlichen. Er war zum Greifen nah für die jungen Patienten und auch für mich.

Papst Franziskus segnet eine Jugendliche in einem Krakauer Kinderkrankenhaus.

Papst Franziskus segnet eine Jugendliche in einem Krakauer Kinderkrankenhaus. © Natalie Junghof

 

Natalie Junghof berichtet live vom Weltjugendtag in Krakau.

Natalie Junghof bei der ersten Live-Sendung in Krakau. © Bronisław Staworowski

Live auf Sendung

Mit der Ankunft von Papst Franziskus ging die Weltjugendtagswoche offiziell los. 20.000 Freiwillige aus der ganzen Welt beteiligten sich an den Vorbereitungen. 80 deutsche Volontäre waren unter ihnen und machten dieses Glaubensfest unvergesslich. Auch unser Team war täglich von morgens bis manchmal spät in die Nacht im Einsatz. Zu meinen Tätigkeiten gehörten Interviews führen, Veranstaltungsberichte erstellen und Live-Sendungen moderieren. Zudem schrieb ich täglich für den Blog „www.krakau16.de“, um für die Zuschauer auf dem Laufenden zu halten. Jeder Tag war spannend und aufregend. Vor allem die Live-Sendungen waren eine Herausforderung, da wir immer auf die Ankunft des Papstes vorbereitet sein mussten. Wenn er eintraf, richteten wir die Kameras auf ihn. Da Papst Franziskus sehr pünktlich ist, habe ich es in einer Sendung nur geschafft, die Zuschauer zu begrüßen. Auch auf die Lautstärke, technische Störungen oder das Wetter waren wir vorbereitet. Alles ging gut und wir waren nach jeder Sendung zufrieden, ein Teil dieses Festes zu sein!

Festivalatmosphäre und Kerzenmeer

Am Abschlusswochenende herrschte auf dem Campus Misericordiae Festivalatmosphäre. Tausende Jugendlichen pilgerten zum Barmherzigkeitsfeld, auf dem am Samstagabend die Vigilfeier – eine Nachtwache – und am Sonntag der Abschlussgottesdienst stattfanden. Ich ging gemeinsam mit den Pilgern das letzte Stück des Weges bis zum Gelände. Alle sangen und klatschten einander die Hände ab. An den Ecken des Feldes verteilten freiwillige Helfer Proviant-Pakete und Wasser. Am Abend kam Papst Franziskus auf die Bühne und feierte die Vigil mit den Jugendlichen. Nachdem die Sonne unterging, leuchteten tausende von Kerzen in der Dunkelheit. Ein Worship-Konzert mit polnischen und internationalen Sängerinnen und Sängern bildete den Abschluss der Vigilfeier. Es gab zahlreiche Gänsehautmomente. Die Jugendlichen übernachteten an diesem Abend auf dem Feld. Die Sonntagsmesse, bei der insgesamt 2,5 Millionen Menschen erschienen, bildete bei strahlendem Sonnenschein den Abschluss des Weltjugendtags.

Hinter den Kulissen: Blick von der Pressetribühne auf die Abschlusszeremonie mit Papst Franziskus.

Hinter den Kulissen: Ausblick von der Pressetribühne auf Papst Franziskus. © Natalie Junghof

Hinter den Kulissen 2: Blick auf die Menschen, die zur Abschlussfeier gekommen sind.

Hinter den Kulissen 2: Blick auf die Menschen, die zur Abschlussfeier gekommen sind. © Natalie Junghof


Ein unvergessliches Erlebnis

Ich bin dankbar, dass ich den Weltjugendtag als Reporterin miterleben konnte. Ich werde das starke Gemeinschaftsgefühl der Jugendlichen aus der ganzen Welt nicht vergessen. Genauso wie die besonderen Momente, in der manchmal gejubelt wurde und manchmal alle in Stille schweigten.

Die Lieder verfolgen mich auch heute im Alltag. Wenn ich an die schönen Begegnungen denke, habe ich immer ein Lächeln auf den Lippen. Der Weltjugendtag war für mich etwas Besonderes! Zum einen, weil er in Polen stattfand. Die Kultur und Sprache sind ein Teil von mir. Und zum anderen, weil ich auf diesem riesigen Glaubensfest Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen konnte. Wo ist das sonst möglich?

Die Organisatoren haben alle Programmpunkte professionell, kreativ und mit sehr viel Mühe sowie Liebe zum Detail umgesetzt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng und wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Die Gastfreundschaft der Polen war überwältigend!

Der Weltjugendtag in Krakau wird in meinem Leben einzigartig bleiben!

Lest mehr über meine Erlebnisse auf dem Blog www.krakau16.de.

See you in Panama! World Youth Day 2019 is waiting for you! 🙂

No Responses

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*